Dienstag, 29. Oktober 2013

Tío Pancho.

Nach einem Wochenende, das nach Sommer roch, ist der Himmel wieder grau und es stinkt nach Herbsttag, obwohl doch Frühling sein sollte.



Genau in diesem Moment denke ich, dass ich meinem lieben Onkel Pancho (Tíó Pancho, manchmal wird er auch liebevoll Onkel Schwein von ein paar Cousins genannt) einen Artikel widmen sollte. 
Er wird ihn nicht lesen können, leider oder vielleicht sogar besser, aber er verdient es, das man ein paar Zeilen über ihn schreibt.




Tío Pancho ist der Mann von der Schwester (Monica) meiner Mutter. Monica (68) ist eine Ehefrau wie sie im Buche (der 60er Jahre) steht: kollegial, zuvorkommend, kocht hervorragend, kümmert sich um ihre Enkelkinder, ihre Kinder, ihren Mann und stellt sich an letzte Stelle.



Pancho nicht.
Pancho ist der Machogatte, den eine Frau aus den 60er Jahren aushält. Heute würde die Scheidung bei so einem Mann nach 2 Wochen Ehe eingereicht werden. Wahrscheinlich würde es nicht einmal zu einer Eheschließung kommen.


Ich frage mich immer wieder, was meine Tante dazu bewegt hat, diesen Mann zu heiraten oder was sie an ihm auf irgendeiner Weise anziehend findet. Ein Rätsel für mich...und im Grunde für die ganze Familie. 
Das ist kein Geheimnis.

Sie erklärt mir, damals seien sie noch häufiger ins Kino gegangen, er hätte sich mehr im Haushalt beteiligt und er habe als sie jung waren ein Auto gehabt und hatte kein Problem es zu fahren. Heut sieht die Welt anders aus.



Ich bin der Ansicht das Onkel Pancho einen Eintrag in meinem Blog verdient hat, da er die Zeit die ich in Chile verbracht habe - zu manch lustigen und nervigen Stunden bereitet hat.



Wie kann man Tío Pancho am Besten beschreiben?




Er ist nun 75 Jahre alt - ungefähr - und sitzt nur zu Hause rum, lässt sich bekochen, bedienen und weiß immer alles besser und hat Alzheimer. Eine herrliche Mischung.


Es ist manchmal (oder vielleicht doch immer) sehr anstrengend sich mit ihm zu unterhalten, da man nicht weiß was wahr und was erfunden ist. Er will bei jeder Diskussion das letzte Wort haben...



Kurz zusammengefasst - was ich an ihm nicht leiden kann:

- es fällt ihm schwer, sich von seiner Frau für 3 Stunden zu trennen

- er spült nie, wenn er auf der Toilette war

- er lobt nie die Kochkünste meiner Tante (die wirklich außerordentlich sind)

- er hat sich ein Auto gekauft (vor einem Jahr) und gibt dem Verkehr die Schuld für sein NICHT-FAHREN
-WOLLEN 

- geizig (möchte seiner Frau nichts zum Geburtstag schenken, da er der Ansicht ist, er trägt jeden Tag zu ihrem Wohl bei. Leider hat der gute Mann keine Ahnung)


Es gibt eine Menge, die ihn zu dem machen, der er ist: eine unausstehliche Person.

Ich habe meine Tante gefragt, ob er immer so sei? So ANSTRENGEND?“ Mit einem klaren "ja" begreife ich noch weniger, weshalb man sich in solch eine Person verlieben konnte beziehungsweise den Rest des Lebens gemeinsam geht (obwohl wenn man sie auf der Stadt beobachtet - rennt sie immer 5 Meter vorweg und er kommt mit Mühe und Not hechelnd hinterher)

.

Vielleicht handelt es sich auch um Mitleid?!
Ich muss diese Beziehung in irgendeiner Form relativieren oder mir erklären, weshalb sie bei ihm bleibt....noch gibt es kein Argument, das mich überzeugt.



Manchmal tut er mir vielleicht doch Leid,..so ein bisschen, ein ganz kleines bisschen.
 
Tío Pancho ist zynisch, arrogant und oft passieren nur dumme Geschichten mit ihm. 



Geschichte Nummer 1:


Vor ein paar Wochen waren meine Tante und Tío Pancho in Santiago (Hauptstadt von Chile). Sie waren schon öfter in Santiago, um ihren Sohn Felipe zu besuchen, daher müsste man davon ausgehen, dass sie sich ein wenig auskennen. Sie haben den guten Mann (Onkel Pancho) nur kurz Brot einkaufen geschickt. Jedenfalls kam Tío Pancho nicht zurück. Nicht nach 1 Stunde, nicht nach 2 Stunden...aber ein Anruf der Polizei erhielt meine Tante mit folgender Information: „Neben uns steht ein Mann, der nicht mehr weiß wie er heimkommt und die Adresse auch vergessen hat - können sie uns weiterhelfen?“ 
Meine Cousins (die Söhne) lachen noch heute über diese Geschichte und viele Familienmitglieder werfen meiner Tante vor, dass sie die Chance ihres Lebens verpasst hat und sagen hätte müssen -„Ich kenne den Mann nicht, der neben ihnen steht“. Chance vergeigt. 
Tío Pancho kam nach ein paar Stunden nach Hause.  




Geschichte Nummer 2:


Meine Tante und mein Onkel Pancho waren vor ein paar Monaten auf einer goldenen Hochzeit eingeladen gewesen.
Zu der Zeit war Tío Pancho in ein Buch vertieft „Allende“ - ein politischer Diskurs über die Opfer und Täter in der Militärzeit Chiles. Naja jedenfalls hatte meine Tante zuerst das Buch gelesen und war ganz fasziniert. Um ehrlich zu sein, hätte ich Onkel Pancho nicht soviel Literatur zugetraut. Sie waren also bei dieser goldenen Hochzeit und meine Tante meinte, dass sie sich gerade mit ein paar Freundinnen unterhalten hatte, als sie Tío Pancho eine Story erzählen hörte, die sie irgendwoher kannte. 

Aus dem Buch „Allende“...



„Ich war dort als es passierte“ - sagt er.

„Ich habe gesehen wie die Moneda bombardiert wurde.“



Tante Monica weiß nicht recht, ob sie lachen oder es furchtbar finden soll. Was Onkel Pancho da erzählt entspricht nicht seiner Wahrheit sondern der Wahrheit des Protagonisten aus dem Buch. Zu der Zeit als die Moneda (
Präsidentenpalast in Santiago) bombardiert wurde war Tío Pancho weder bei der Moneda noch in Santiago. Viele Gäste hören interessiert zu. Sie können es nicht glauben, das sie da gerade mit einem Zeitzeugen reden. 




Geschichte Nummer 3:


Tío Pancho hat es mit der Blase. Er geht gefühlte 50mal am Tag auf‘s Klo. Mein Freund war zu Besuch in Chile und war mit ihm einkaufen. Auf dem Weg zurück hat Tío Pancho 3 mal an irgendwelche Hochhäuser/Büsche gepinkelt. Er hat es mir der Blase, das darf man nicht vergessen. Mein Freund wusste gar nicht wie er reagieren sollte. Wie ein räudiger Hund kam ihm Tío Pancho vor...der mal kurz sein Bein anhebt und sein Geschäft erledigt. 
Furchtbar peinlich.


Mein Aufenthalt in Chile neigt sich dem Ende zu.
Ich werde vieles vermissen: die Stadt Concepción, die Leute, meine Arbeit, meine Kollegen, der furchtbare Verkehr, bei dem man sich jeden Tag fragt, weshalb nicht mehr Menschen ums Leben kommen...,das gute Essen (Empanadas, pastel de choclo, bistec a lo pobre, Koriander in jedem Gericht etc.) und natürlich meine Familie.

Ob ich Tío Pancho vermissen werde... ist schwer zu sagen, sein dummes Geschwätz wird mir auf irgendeine Weise fehlen.






Donnerstag, 26. September 2013

Ein Erdbeben, bitte! // Un terremoto, por favor!


Die drei Musketiere auf dem Weg in eine anstregende Woche

Einmal im Jahr eskaliert der Chilene für 7 Tage am Stück.
Es herrscht Ausnahmezustand. Schuld daran ist der Nationalfeiertag, der nicht nur an einem Tag zum Feiern verdonnert wird sondern gleich für mehrere Tage.

Weshalb auch so sparsam sein...
Der Deutsche feiert seinen Nationaltag nicht mal an einem Tag richtig. Das sollte man ändern, wird mir nach dieser Woche, die mir wie eine Mischung aus "Alice im Wunderland und Rock am Ring" vorkommt,
bewusst.

Ein mancher denkt...eine Woche Urlaub ist eine lange Zeit. Derjenige irrt sich gewaltig..

Tage vergehen wie Stunden, Stunden wie Sekunden und schon sitzt man wieder am Arbeitsplatz mitten in der Stadt und plant das nächstes Event im Institut. Wer kann, der kann...und als Deutsch-Chilenin muss man irgendwie können, sonst ist man "out of the circle" und nur noch Deutsche, obwohl man beide Nationalitäten hat...auf dem Papier...schriftlich.

Diese 7 Tage sind für die meisten besser als Weihnachten und Silvester zusammen. Besser als Hochzeiten... und Hochzeiten sind in Chile etwas besonderes. Es bedeutet eine unfassbare Nahrungsaufnahme an Fleisch, als ob man über Nacht von Zombies überfallen werden könnte und soviel es geht zu sich nehmen muss, um die nächsten Tage zu überleben.



Die meisten Männer sind auf einmal wieder Single,...waren sie vor Tagen noch frisch verheiratet oder sogar verliebt.
Die Frauen verlieben sich in den nächstbesten Huaso und die Kinder spielen lange draußen und bekommen keinen Ärger, wenn es mal später wird.
Bei diesen Feiertagen muss jeder durch das lang ersehnte Infierno streifen, bei dem nur der überlebt, der alles sieht und für sich behält.

Auf dem Land feiert sich diese Woche besser - behaupte ich jetzt mal. Warum ich dieser Ansicht bin?...deswegen:
authentische Huasos, traditionelle Wettkämpfe, echte Pferde und keine Ponys, günstiges Essen sowie Getränke.
Dabei wären folgende Getränke zu erwähnen:

- Ein Erdbeben - un terremoto (Trendgetränk aus Weißwein, Grenadinesirup und eine Kugel Ananaseis) für 800 pesos (2 Euro circa).
- Michelada
- Pisco
...und das gute BIER natürlich. Obwohl, wenn man von "gut" spricht, es nicht vergleichbar mit dem deutschen (Rothaus) Bier ist.

Naja, aber mein Satz der Woche lautet in Bezug auf die Getränkewahl meistens: Ein Erdbeben, bitte!

Es gibt verschiedene Trachten, die in dieser Woche wieder zum Trend werden. Der Mann (Huaso) und die Frau (China), wobei die Frau zwischen einem jugendlichen Kleid und einem eher eleganten Kostüm wählen kann.

Huaso in voller Montur


Huaso auf einem Gaul
Die weibliche Tracht: Huasa elegante
El Huaso und La China (mit Kleidchen) am Cueca (Nationaltanz) tanzen


Die Cueca (Sehenswertes Video) wird auf und ab gespielt und jeder greift nach einem Stofftuch und wirbelt es in der Luft herum. Auch hier gibt es Unterschiede wie man sie tanzt. Die "cueca del campo" (vom Land) ist meist grober und der Mann wirkt dominanter als bei der Cueca der Stadt (Cueca chorra). Die Cueca chorra erinnert mich an den Tango, in Bezug auf die Klamotten der Tänzer. 

Man verbringt den 18 September, den "Geburtstag Chiles" wie man hier sagt, oft in der Familie. Familie heißt bei mir 15 bis 20 Personen, viel Kindergeschrei und viel Gebrülle über den Esstisch. Gefluche, vom 7 Jährigen bis zum 75 Jährigen alten Mann...keiner nimmt ein Blatt vor den Mund, höchstens ein guten Schluck Michelada (Das 7 Jährige Kind selbstverständlich nicht).

Alle ziehen übereinander her und dennoch stehen sie 100% hinter jedem einzelnen, hinter manchen sogar 250%.
Familie halt.

Manchmal kommen mir meine Familienmitglieder wie Schauspieler aus einem Bollywood Film vor: alle sind spitzenmäßig gut drauf, lachen, unfassbar viele Übertreibungen und getanzt wird auch - wo es nur geht.
Der Unterschied zum Bollywood Film ist vielleicht, dass es nicht ganz so bunt ist, kein Bindi auf der Stirn sichtbar ist oder die Frauen Sari tragen.
Im Grunde genommen ist vieles anders, außer die schwarzen langen Haare, die bärtigen Männer und manche Kräuter in der Küche.

Die chilenische Küche hat in dieser Woche einiges (Meiner Ansicht nach viel zu viel) zu bieten. Ein Vegetarier hat leider nicht soviel Freude, da es wenig vegetarische Kost gibt - geschweige denn veganes Essen.





Anticuchos
choripán
Empanadas: Teigtaschen gefüllt mit Käse oder mit Meeresfrüchten oder mit Hackfleisch + Mais + Ei etc.







Eine Woche der Völlerei.
Man kann sagen, dass es ein anstregender Urlaub war.
Als wir (meine Cousine und ich) in den Jeep steigen und uns auf den Weg in die Stadt machen, drehe ich mich noch einmal um. Zu dem Haus aus Holz, das Landhaus meiner Tante. Sie steht am Fenster und winkt...müde schaut sie aus, aber glücklich. Glücklich, die ganze Sippschaft aus dem Haus zu haben. Und da bemerke ich, dass ich lache...über die 7 Tage, über die Tatsache, dass sie glücklich ist ihre Ruhe wieder zu haben und über uns, da wir Urlaub vom Urlaub dringend nötig haben.























Samstag, 14. September 2013

Vanillekipferl und Feministinnen

Salvador Allende. Gefunden unter: http://bit.ly/16m7vlq
Bevor wir zu den "Emanzen" kommen, bin ich gezwungen ein bisschen auszuholen und mit ein wenig Geschichte zu beginnen...

Der 11. September.
Wenn man in Deutschland an diesem Tag den Fernseher einschaltet, sieht man das World Trade Center zusammenstürzen, Menschengeschrei und diesen furchtbaren Tag mit all seinen Tragödien.
Chiles Tragödie des 11. Septembers ging über mehrere Jahre, dennoch wird es im deutschen Fernsehen selten gezeigt und wenn, dann um ein Uhr nachts auf Arte.
Schade, wie ich finde.
Aber wenn das mächtigste Land blutet, muss der Fokus natürlich NUR darauf gelegt werden. Zum Heulen, zum Kotzen und zum Ändern bestimmt.

Am 11. September 1973
wurde die sozialdemokratische Regierung
von Präsident Salavdor Allende gestürzt und der Diktator Augusto Pinochet begann Chile zu regieren (Mit Hilfe der CIA, auch wenn die Beteiligten es bis heute abstreiten)

11. September 1973, wenige Stunden vor seinem Tod in Santiago. Gefunden unter: http://bit.ly/16m8guN

Vier Jahre vorher gelang Allende der Durchbruch mit seiner Partei - "Unidad Popular"- bei der es sich um einen Zusammenschluss von Kommunisten,Sozialisten sowie Linksparteien handelte. Die Unidad Pupular gab jedem Kind täglich einen 1/2 Liter Milch. Schulbildung und medizinische Versorgung wurden kostenlos angeboten.

Zwischen Wahl und Amtseinsetzung folgte ein Mordanschlag auf Allende, den er überlebte, doch 3 Jahre später würde es anders für ihn laufen.

Allende erlebte eine Wirtschaftskrise mit seiner Politik, aber er sprach die Bedürfnisse der Ärmeren an.

Lastwagenfahrer streikte und fielen seiner Politik, die auf lange Sicht gut für sie gewesen wäre, in den Rücken. Erpressungen von Seiten großer, ausländischer Firmen führten zu Unruhen. Es gab Straßenschlachten zwischen Linken und Konservativen und viele Menschen stürmten in die falsche Richtung.


Wieso der Militärputsch? Wieso einen Präsidenten "töten" oder ihn zwingen "sich zu töten", der versucht die sozial Schwachen zu unterstützten und deren Ziel es war Chile von der Abhängigkeit anderer Länder (USA) zu lösen? Gerade deswegen...


Proteste für die Politik Allendes. Gefunden unter: http://bit.ly/17JCJpE

Chile hat einen enormen Kupfer- und Kohlenbergbau.  Allendes Politik strebte die Verstaatlichung der Bodenschätze des Landes an. Hohe Geldanteile sollte nicht ausländischen Firmen (besonders die USA) zu Gute kommen.1970 wurden die Anteile der Textilindustrie, des Kohle- und Kupferbergbaus verstaaltlicht. Ein Sieg für Allende und seine Anhänger. Leider nur für kurze Zeit.

Ich bin keine Politikerin, ich habe den Militärputsch nicht mitbekommen, aber meine Mutter ist Chilenin, ist Teil dieser Geschichte und Teil einer Wahrheit. Diese Wahrheit hat noch ein bisschen Zeit und wird einen Eintrag in meinem Blog finden, der dieser Geschichte gerecht wird.

Chile hat im 20 Jahrhundert eine traurige Geschichte zu erzählen. Bei der Menschen, die anders dachten, gefoltert und getötet wurden und dies als Suizid in der Sterbeurkunde verzeichnet wurde. Bis heute fehlt von vielen Menschen jegliche Spur. Verschwunden, aber nicht aus der Erinnerung verbannt.

Verschwundene Söhne, Töchter, Freunde. Gefunden unte: http://bit.ly/188T87M



Zurück zu Concepción 2013...
Nach 40 Jahren Militärputsch - wie ist die Stimmung in Concepción?

11. September 2013. 40 Jahre nach dem Militärputsch suchen sie noch ihre Freunde, Kinder und Bekannte. Gefunden unter: http://bit.ly/1brfe8T

Vorträge zu der Zeit im Jahre 1973 sind überall verteten. Auf der Straße, in der Schule und in den Universitäten. Gut so.
Eine Bekannte nimmt mich zu einem Vortrag mit. Feministinnen beziehungsweise Frauen zu der Zeit Allendes


Ich finde einen natürlichen Frauenzusammenhalt ja wichtig, weil ich selbst dem weiblichen Geschlecht angehöre und denke, das auch heute noch keine 100% Gleichberechtigung herrscht und das sollte man selbstverständlich ändern! Feministinnen haben einen interessanten Grundgedanken, doch zeichnen sich einige durch eine extreme diskriminierende Haltung gegenüber der Männer aus. Als die Moderatorin der Veranstaltung sich dem Publikum (98% Frauen, 2% Männer) zuwendet und sagt "Jeder Mann in diesem Saal, der Stellung zu etwas nehmen möchte, fasst sich bitte kurz, das ist hier schließlich eine Frauenangelegenheit und da bleibt nicht viel Platz für die Worte eines Mannes"...bin ich geschockt. Es handelt sich hier um keinen Witz.
Die meint das ernst. Vollkommen überzogen wie ich finde und fehl am Platz. Interessante Vorträge gibt es dennoch. Geschichten von Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen, Schläge aushalten, um ihre Meinung zu verbreiten und zusammenhalten. 


Vanillekipferl. Gefunden unter: http://bit.ly/16m9cPL

In der Pause gibt es Café und Leckereien.
Ich kann meinen Augen nicht trauen, da liegen tatsächlich Vanillekipferl bereit. VANILLEKIPFERL in Chile ist so ähnlich wie pan amasado in Deutschland. Ein bisschen Heimat schmecken.

Die Woche vom 16. bis 22. September hat ganz Chile frei. Grund ist EIN TAG: der 18. September, der Nationalfeiertag. Aus dem die Chilenen eine Woche Völlerei gestalten. 


Diese Dokumentation folgt...

Sonntag, 8. September 2013

Eine bunte Perle: Espacio Mal Augurio


Eine wahre Perle. Auf der Höhe von Ohiggins und Tucapel. Quasi an der Ecke wo die beiden Straßen sich kreuzen - liegt ein Geschäft mit einem Café, das einer Ausstellung gleicht.
 

Hierbei handelt sich um ein Geschäft, das Produkte anbietet, die von regionalen Künstlern entworfen werden und zu fairen Preisen verkauft werden sollen. Die Künstler arbeiten zum Teil selbst in dem Geschäft und haben ihre "Werkstatt" in einem Zimmer.

Man läuft somit durch das Geschäft und steht aufeinmal in der Werkstatt.
So geht es mir.
Auf einmal stehe ich vor einer jungen Frau.

Ihr Künstlername lautet natilustra und sie hat an der Udec (Uni Concepción) Kunst studiert.

 

Sie entwickelt ihr eigenes Design und kann ihr entworfenes Produkt sofort im Laden anbieten.

 



Sie entwirft hauptsächlich Motive für Kinder in Form von Taschen, Kissen, Lesezeichen, Schlüsselanhänger, Blöcke und vieles mehr. Folgendes Video, leider nur auf Spanisch, zeigt sie bei ihrer Arbeit - natilustra...

Wer aus Deutschland Interesse an ihren Produkte haben sollte, kann mich gerne kontaktieren.



Die Inhaber des Espacio Mal Augurio ( auch auf Facebook zu besuchen Espacio Mal Augurio)... sind Frauen.



Sie sind zwischen 25 und 40 Jahre alt und haben viel Freude an der Kreativität, ihr "Ding" durchzuziehen. Und: es funktioniert.

Die Begriff Espacio (übersetzt Raum) soll Besuchern deutlich machen, dass das Geschäft auch Ausstellungen macht zu Fotografie, Poesie oder Musikbands einen Raum bietet, um ihre Musik vorzustellen.

Mal Augurio bedeutet übersetzt "schlechtes Omen".

Man könnte sich nun als Besucher fragen, weshalb wählt ein so interessantes Konzept solch ein negativ konnotierten Namen?!

Eine Designerin erklärt mir, dass es wohl aus dem "Italienischen" kommt und die Italiener viele Dinge sagen, jedoch das Gegenteil meinen. Komplex und noch nicht wirklich einleuchtend, so dass eine bessere Erklärung folgen wird.

Vor circa 1 1/2 Jahren wurde das Geschäft eröffnet und zieht besonders junge Leute und Personen an, die etwas besonderes als Geschenk für sich oder ihre Kinder kaufen möchten.



Sogar das Bad, das für die Besucher des Cafés bestimmt ist, ist mit viel Liebe zum Detail dekoriert worden.

Pflanzen,
eine alte Nähmaschine und gefühlte 2804112481 blaue Fließen...vermitteln den Anschein, als ob man "baden gehen" würde.







"Gucken" macht hungrig und durstig. 


Das Gute ist, dass man nicht das Geschäft verlassen muss, um einen Mate oder einen Café zu sich zu nehmen. Alles, so wie auch ein kleines Café, befindet sich auf einem Stockwerk in dem Geschäft.


 





Die Klamotten sind nicht Jedermanns Sache, da sie sehr BUNT und VERSPIELT sind, aber das ein oder andere Teil ist einfach
ein Hingucker.
Die Inhaber sind sehr tolerant, sie sagen sogar "Wenn der ein oder andere Student sein Essen mitbringt, kann er es trotzdem im Café zu sich nehmen und kauft sich einen Mate von uns"... das
jemand deswegen das Geschäft verlassen sollte, finden die Damen schwachsinnig.

Die Einstellung, das Gebäude und das Design sind prächtig, so dass man auf jedenfall diese Perle aus Concepción besuchen sollte.  

Es ist nicht nur ein "Fairtrade-Geschäft" sondern irgendwie auch ein Museum der schönen Dinge.



Vom 12 bis 14 September findet eine Ausstellung vor dem Geschäft statt.
12 Stände soll es geben, von Künstlern aus der Region. Man darf gespannt sein.




Sonntag, 1. September 2013

Impressionen eines Frühlinganfangs oder Schwangerschaft im jungen Alter



parque ecuador


Parque Ecuador.
2 Blocks von meiner Straße "cochrane" entfernt.

Während in Deutschland sich der Winter ankündigt, beginnt hier in Concepción der Frühling.
An einem Sonntagnachmittag ist der parque ecuador voll mit Kindern, älteren Herrschaften und schwitzenden Mütter, die an Sonntagen mehr Sport treiben als unter der Woche im Fitnessstudio.

Viele junge Paare sind mit Kleinkindern unterwegs. Mit jung meine ich keine 20 Jährigen - sondern eher 13 bis 15 Jährige.

Junge Paare (oder nur junge Mütter) mit Kleinkindern sind hier eine Normalität.
Weshalb könnte man sich fragen?
Mit ein Grund ist mit Sicherheit die strenge Erziehung und keine Aufklärung beziehungsweise Kommunikation mit den eigenen Kindern über Sex.

Die älteren Generationen geben den Nonnen die Schuld.
"In den <Nonnen-Schulen> wurde man nie aufgeklärt. Man hat nie über Sex gesprochen...die Nonnen haben uns in gewisser Weise mental kastriert".

Statistiken zufolge erwarten 3,7% der chilenischen Frauen , zwischen 13 und 19 Jahren, ein Kind. In den meisten chilenischen Familien spricht man über das Thema Sexualität, wenn es schon zu spät ist. Freund oder Freundin darf meistens auch nicht über Nacht bleiben, was für mich lächerlich erscheint.





Zurück zum Tag im Frühling.
Kinder lassen Drachen steigen.
Lachen, weinen, wollen nicht nach Hause gehen.

Obwohl keine Hunde erlaubt sind, sieht man mindestens 10 Hunde rumrennen. Hunde mit Klamotten. Aus Wolle. In Pink. In Blau. Grässlich.



Manch einer erinnert sich an seine Kindertage

und lässt seinen Drachen, in Form einer chilenischen Flagge, fliegen.

Manch einer wird niemals alt.



Mittwoch, 28. August 2013

Männerwelt: Caballero vs. Huaso

Carampangue



Nach 3 Wochen Concepción wird mit der Männerwelt abgerechnet.

Sie halten Türen auf:
Türen im Café, Türen beim Arzt, Türen in der Universität, Taxitüren, Wechselstubentüren...Es sind nicht nur die jungen Männer zwischen 20 und 40 Jahren, besonders die über 60 Jährigen sind noch wahre Gentleman. Señorita (Fräulein) hier...Mi niña (Mein Kindchen) dort.

Im Bus steht ein älterer Herr auf, um einer 45 Jahre jüngeren Dame seinen Platz zu überlassen. Sein Argument: Ihr Kleid könnte bei soviel Gedränge zerknittern. Dahinschmelzen würde ich gerne.

Sogar der Taxifahrer erkennt, dass der neugekaufte Lippenstift perfekt zum Schal passt und sagt nicht nur "hola - 400pesos por favor - adios".


Es gibt da aber auch die andere Seite. Wie so oft.

Männer, die hupend vorbeifahren, um die Frau zu beeindrucken und nicht merken, dass sie sich die Ohren zuhebt. Männer, die einem acht Blocks hinterherstieren und nicht merken, dass es Zeitverschwendung ist.
Männer, die das Autofenster runterkurbeln und vergessen, dass die Ampel auch mal Grün wird....Männer.



Sonntag, 25. August 2013

Freitag, 23. August 2013

Waschen+Schneiden+Föhnen für $ 4000


 

Man kann ja über Chile sagen was man will, aber Friseure gibt es verdammt gute. 

Über Deutschland kann ich da leider wenig gutes sagen. Schneiden und BESONDERS Föhnen können deutsche Friseure meines Erachtens miserabel. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, aber die Friseure, die mein Haar frisiert haben, und das waren nicht wenige, waren nicht die besten, obwohl das Geld, das ich dagelassen habe, auf verdammt gute Friseure hätte schließen müssen!

Föhnen...eine Kunst für sich?

Die Chicas in Chile haben es jedenfalls gewaltig drauf, man sieht (oder meint es zumindest) danach immer aus wie ein HaarTOPmodel. Schön geglättete Haare - ich rede hier nicht von ein paar Locken glätten...die Frisur sitzt perfekt.

Das Schöne, man ist zufrieden und lässt nicht wie in Deutschland 20 bis 40 Euro liegen sondern nur 5 bis 8 Euro (4000 pesos). Zum Friseur gehen ist hier extrem günstig, andere Sachen sind teurer als in der Heimat.

Daniela, meine Friseurin, spricht mit mir als ob wir schon jahrelang befreundet wären. Manche würden es hassen - ich finde es gut. Sie arbeitet schnell und hantiert mit der Bürste als ob sie damit geboren wurde. Was will man mehr?



Nach 45 Minuten ist mein Pony wieder sehenswert und mein Haar glänzt und sitzt fabelhaft. Ich stelle mich draußen an die nächste Ecke, hebe eine Hand in die Höhe und rufe mir ein Taxi - so ähnlich wie in der Serie SEX & THE CITY.

Taxi fahren ist in Concepción sehr günstig. Ich fahre 5 Minuten und zahle umgerechnet 50 Cent. Wenn es mal schnell gehen soll, schlechtes Wetter ist oder die Frisur nicht an Perfektion verlieren soll....ist Taxi fahren die Lösung.

Kaffeeklatsch auf Deutsch


gefunden unter: http://bit.ly/18beWxC

In einer kleinen lutheranischen Kirche (und davon gibt es in Chile wirklich nicht viele) findet einmal im Monat gegen 16.00Uhr ein Hauskreis statt - bei dem die chilenische Sprache so fern scheint, wie ein Vegetarier von einem Stück Fleisch.



Wie ich dort hinkomme? 



Ich muss gestehen, ich bin katholisch getauft worden. Leider. Obwohl mein Vater Atheist war und meine Mutter würde ich eher in die Buddhistische Ecke einordnen als sie katholisch zu bezeichnen. 
Aber ein anderes Mal mehr über meine Eltern.

 Ich würde behaupten, dass ich keiner Religion angehöre. Man nennt es auch Atheismus. 
In Baden-Württemberg kostet es circa 30Euro aus der Kirche zu treten (In Bayern ist es - wer hätte es gedacht - teurer). Dieser Punkt befindet sich derzeit noch auf meiner "TO-DO-LISTE".



Wie gelange ich also in dieses religiöses Gebäude? 



Bei dem Institut bei dem ich arbeite, komme ich mit einer Praktikantin ins Gespräch. Sie schreibt eine Hausarbeit über das Thema "Deutsche Sprache in Concepción" und hofft in dieser Kirche auf Antworten. Ich begleite sie.



"Guck mal, Emma"...höre ich es aus der einen Ecke rufen und die Dame, neben die ich mich gesetzt habe, tauscht ein paar deutsche Sätze mit ihrer Sitznachbarin aus.


Circa 20 bis 30 Rentner sitzen an Tischen, die mit Kuchen und Kaffe gedeckt sind...und sprechen DEUTSCH. Aber was ich da höre, ist keineswegs ein gebrochenes Deutsch. Zwischen 60 und 90 Jahren sind die Ladys und sprechen ein akzentfreies Deutsch und Spanisch. Als ob die Herrschaften nie das Land verlassen hätten. Ich fühle mich HEIMISCH. 



Habe ich es hier mit Deutschen, Deutsch-Chilenen oder einfach nur extremen Deutschlandfans zu tun?



Die Mehrzahl der Anwesenden sind Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts mit ihren Eltern nach Chile ausgewandert. Also richtige Deutsche.
 Motivationsgründe waren zum einen die Suche nach Arbeit und zum anderen die Suche nach einem neutraleren Boden nach dem Krieg. 
Hauptgrund war jedoch die Arbeit und nicht die politische Orientierung.



"Die deutsche Sprache und Kultur muss erhalten bleiben"...darüber sind sich alle einig. 
Leider wird in der dritten Generation, der hier Anwesenden, schon sehr wenig Deutsch in den Familien gesprochen, was den Erhalt der Sprache massiv erschwert.

In Concepción gibt es auch eine deutsche Schule, doch in dieser verläuft der Unterricht schon länger nicht mehr NUR auf Deutsch.



Wir haben jedoch nicht nur Deutsche mit Emigrationshintergrund in der Runde, sondern auch Deutsch-Chilenen. 
Deutsch-Chilenen sind die Besten (ironischer Unterton). 

Ich spreche hier von Personen, die unglaublich stolz auf Deutschland sind und alles was damit zusammenhängt: Sprache (Deutsch), Aussehen (blondes Haar), Kultur (Literatur und Kunst) etc...
Es handelt sich hierbei MEISTENS um Personen die noch nie einen Fuß auf den deutschen Boden gesetzt haben, geschweige denn Verwandte dort habe. Diese Fazintation ist unerklärlich. 

Manche haben nur ENTFERNTE Verwandte dort und fühle sich sehr zu Deutschland hingezogen. 



Deutsche zu sein oder Deutsch zu sprechen hat hier in Chile Prestige.



Jeden Monat trifft man sich also und genießt den Apfelkuchen und unterhält sich auf Deutsch. 
Aber bei Essen und Reden bleibt es nicht...
Jedes Mal wird ein bestimmtes Thema diskutiert oder präsentiert.



Dieses Mal kamen zwei junge Mädchen aus der deutsche Schule, um den älteren Herrschaften zu erklären wie man richtig mit einem Handy umgeht. 
Amüsant wie man hier der Technik folgt. Die meisten hatten ein moderneres Handy als ich...und das mit NEUNZIG JAHREN?!

Ich möchte nach einem Stück Kuchen greifen, doch was ich in den Händen halte ist kein süßes Teilchen, sondern eine Art Brot mit Aufstrich.
Ich schaue die Dame rechts neben mir an und sage: hier gibt's also nicht nur süßes?
Sie beugt sich zu mir und antwortet zwinkernd: Wir sind süß...das muss reichen!

Ein Lächeln kann ich nicht zurückhalten. Muss ich auch nicht. 
Diese Kombination von blauen Augen und chilenischem Charme...Herrlich!



Gegen Ende trägt ein Herr noch ein Gedicht vor, das die ganze Mädelsrunde zum Lachen bringt:




Es wäre ja zum Lachen,
wenn nicht wir alten Drachen
 auch von so neuen Sachen 
uns ließen was vormachen
 wie Handies, Celulare,
Smartphones und sonstige Ware.

Da braucht man manche klare
 Anweisung fürs bare
               
Verständnis dieser Dinger,
und wo wir unsern Finger 
als Botschaftsüberbringer
 hintun – manchmal sogar ging er!

Besser gehts beim Suchen 
nach leckren Apfelkuchen,
und Kaffeklätschen buchen 
mit Schals und hübschen Tuchen!

Montag, 19. August 2013

Mein Viertel und die anderen

Concepción.
Mein Viertel:
"Barrio del Centro" ... mitten im Geschehen.


Wie könnte ich mein Barrio am besten beschreiben?
Am Authentischsten ist, dass zur später Stunde, so gegen 2 Uhr morgens, viele Transvestiten auf der gegenüberliegenden, starkbefahrenen Straße stehen...und auf eine bezahlte Autofahrt hoffen.

Männer mit blonden Perücken.
Männer, die unfassbar gute Frauen abgeben.

Der Unterschied zu einer Frau, aus der Distanz betrachtet, ist nicht an der Körperhaltung, den Körperrundungen oder den Gesichtszügen festzumachen -  sondern NUR an der Stimme. Talent muss der Mann haben, um SO auszusehen...oder vielleicht ein paar Operationen.

Zentralheizung gibt es nicht in den alten Wohnungen. Aber dafür sind diese Wohnungen standfester gegen Erdbeben. Zentralheizung... sollte man am Besten gar nicht kennen, damit das umgewöhnen auf einen Holzofen nicht so schwer fällt. Unfassbare Kälte im August. Warmes Wasser nur zum Duschen. Gespült wird mit eiskaltem Wasser, bei dem man nach wenigen Sekunden nicht mehr den Schmerz in den Fingern spürt,  auch wenn man sich mit einem Messer schneiden würde.
Um einen Holzofen anzuheitzen reicht nicht nur bloßes Holz, Streichhölzer und Papier....Wer die Ansicht einst teilte, wird hier in Chile eines besseren belehrt.

Wenn wir uns innerhalb Concepcións bewegen, gibt es natürlich mehr als ein - MEIN - Viertel.
Man kann die Barrios grob in DREI unterteilen.

"Barrio del Centro":
Die Leute, die im Zentrum der Stadt wohnen, gehören der Mittelschicht/Oberschicht an. Die Wohnungen und Häuser sind nicht gerade günstig und daher wohnt nicht JEDER in der Innenstadt.
Die Viertel im Zentrum sind im Großen und Ganzen ruhig, ungefährlich könnte man sagen.
Manche Straßen sollte man jedoch nachts meiden. Hierbei wäre "Carrera und Maipu" zu nennen.
Empfehlenswert ist kein Schmuck in der Stadt zu tragen, oder man geht das Risiko ein, diesen beim Abbiegen des nächsten Blocks zu verlieren, und bemerkt dies erst 10 Blocks weiter oder im dümmsten Fall gar nicht.

Das Viertel in denen die niedrigere Gesellschaftsschicht wohnt, heißt "Pedro de valdivia bajo"oder "Tucapel bajo".
Die Personen, die aus diesen Gegenden stammen, werden "flaites" oder "wuashiturros" bezeichnet. Hierzu einen Link, wie sich diese Leute geben und bewegen, um es sich ein wenig besser vorstellen zu können http://www.youtube.com/watch?v=IR__WMtmN90

Natürlich gibt es auch in Concepción Leute, die einer reichen Gesellschaftsschicht angehören.
Wer sich ein Haus für über 200.000.000 Pesos leisten kann, wohnt in "Lonco" oder "Villuco".
Diese "Bonzen" werden in Concepción als "pelo lais" bezeichnet. Der Ausdruck beschreibt eine Person mit geglättenen Haaren. Wer sich geglättete Haare leisten kann, beziehungsweise Zeit hat, um sich ordentlich die Haare zu glätten, gehört einer gehobeneren Schicht an.
Oftmals fällt in Bezug auf die reichen penquistas (Aus Concepción stammende) der Begriff "papas en la boca". Dies soll die hochgestochene Art zu sprechen beschreiben. 
Kartoffeln im Mund...sozusagen. Sie sprechen langsam sprechen und hochgestochen.




„Das Land, wo die Welt zu Ende ist"



Einwohner: ca. 16.600.000


Länge: 4300 km
Regionen: 15



Chile.
Man könnte jetzt unfassbar viele Fakten aufzählen. 
Man könnte. Im Grunde ist das jedoch unnötig. Das kann man schließlich überall nachlesen, wenn man Hintergrundwissen über das Land wissen will. Wer nun einen Haufen geschichtliche, politische, geografische Fakten erwartet, sollte sich besser woanders informieren. 

Es geht hier nicht um Fakten sondern um Ansichten. Ansichten sind subjektiv und ohne Garantie auf Wahrheit. Aber möglicherweise handelt es sich um eine von vielen Wahrheiten.

Chilenen. 

Aufgrund der geografischen Lage Chiles - im Norden die Wüste, im Süden und Westen das Meer und im Osten die Anden - sind sie sehr abgeschottet von anderen Ländern und Kulturen. Daraus resultiert eine gewisse Andersartigkeit, die nicht unbedingt positiv zu bewerten ist.
Der rege Austausch mit anderen Ländern macht Chilenen zu wahren Patrioten.
"En Chile..." - diese Satzstruktur trifft man häufig an und merkt wie stolz die Chilenen auf ihre Kultur, auf ihr Land sind und dieser Stolz sich ab und an in Überheblichkeit umwandelt.

Concepción - „La perla del Bío-Bío“


Einwohner: ca. 210.000


VIII Region in Chile.

Am 27. Februar 2010 gab es das stärkste Erdbeben seit 50 Jahren in Chile...
Häuser in Concecpión und Umgebung wurden zerstört.
Viele Personen kamen ums Leben. Das Erdbeben betrug 8,8 Magnitude.
Um eine Vorstellung davon zu haben, was dies konkret bedeutet:

8,0...< 9.0, es handelt sich hierbei um ein großes Erdbeben, die Zerstörung kann in Bereichen von einigen hundert Kilometern stattfinden und kann einmal im Jahr vorkommen. Bei den Werten von 9.0 ...<10.0 gibt es eine Zerstöung von mehreren tausend Kilometern. Über 10.0 wurde bis jetzt noch nie registriert. 



Es erschien sogar ein Film über das Erdbeben: Chile 8.8

http://www.youtube.com/watch?v=6mbwclXLpd4


Dienstag, 13. August 2013

Flug ins saukalte Chile

18h reine Flugzeit. 

Wartezeit Flughafen 3-10h.
1 Tag Reise.
2 Tage Jetlagüberwindung.
200 Seiten weiter im Bestseller Tschick. Empfehlenswert.

Ätzend langer Flug. Nicht nur für Personen, die unter Flugangst leiden.
ZUM Vorteil aller Passagiere leide ich nicht mehr unter Flugangst.
Warum weiß ich auch nicht. Ist nun so.
Turbulenzen sind grausam, aber nicht mehr so, dass man zur Stewardess rennt, ja ich spreche von rennen, nicht gemütliches gehen und sagt, dass bei der Maschine irgendwas nicht stimmt.
Ich weiß das. Ich bin Zeuge. Ich bin ja schließlich 30mal oder mehr geflogen und bin somit fast Pilot...
Schwachsinn. Die Stewardess schaute einen dann mit so einem Blick an, der mir verständlich machen soll - „Kindchen, das ist Routine, wenn man über manche Regionen fliegt“. Ich sollte das schließlich wissen, ich bin ja 30mal oder mehr gefolgen. Ich wusste es aber nicht.
Naja jedenfalls ist die Flugangst passé.

Bei so einem langen Flug hat man viel Zeit.

Zeit, um Menschen zu beobachten. 

Eine kleine Typologie der Flugpassagiere, die sich besonders bei dem Flug "Frankfurt - Concepción" herauskristalisieren hat lassen, soll nun verständlich machen, wie BRUTAL ein 20h Flug sein kann...


Typologie: Flugpassagiere
Flug: Frankfurt - Chile

Fluggesellschaft: Iberia; LanChile


Die Mutti
- Mindestens 2 Kinder, eins davon schreit
- Sitzt oft in den 4er Reihen
- Meistens sitzen Muttis vorne oder am Notausgang, wo sie viel Platz zum wickeln haben...
- Eine Mutti darf immer als erstes einchecken. Das hat sie auch verdient.
- Kinder sind super, aber bei solchen Flügen können Kinder einen normalen Flug zur Hölle machen, daher sind Muttis Passagiere neben welchen man nicht allzu gerne sitzen möchte


Der Werwolf
- Man riecht ihn auch wenn man 20 Reihen weiter hinten sitzt
- Intensive Körperbehaarung ist noch schmeichelnd ausgedrückt
- Schaut meistens alle Filme mit
- Isst viel und trinkt Bier und zur späten Stunde Café
- Geht nie auf die Toilette. Wird eins mit seinem Sitz

The Biggest Loser - Kandidat
- Manche Personen haben nicht die Körpermaße, die sich ein Karl Lagerfeld wünscht, eher die Sumogemeinschaft in Japan. Interessanter Link zu Techniken im Sumo folgt weiter unten...
- Die engen Sitze der Flugzeuge sollten seit etlichen Jahren vergößert werden. Ist schließlich eine enorme Beleidigung für jeden, der enorm viel auf den Rippen hat
- Dieser Kandidat sitzt, wenn er und die anderen Passagiere ein wenig Glück haben, am Gang

Der Schisser
- Sitz am Gang oder bei der Stewardes
- Empfehlenswert als Schwächling, sind die Sitzreihen in der Nähe des Cockpits zu wählen, da die Turbulenzen im hinteren Teil eines Flugzeuges stärker wahrzunehmen sind
- Isst nichts oder wenig
- Trinkt meist schon zu Beginn Alkohol und hört erst bei der Landung wieder damit auf
- Schläft nicht, es könnte ja schließlich etwas passieren und er wüsste dann nicht darüber bescheid

The Important Guy
- Anzug, Hemd, Krawatte nicht immer
- Schuhe werden des Öfteren ausgezogen - die Armanisocken brauchen schließlich auch Luft
- Business class
- Im 2Sitzer meistens vertreten - weit weg von Familien und Kindern

Die Barbie
- Hohe Schuhe sind ein Muss
- Trinkt viel Café
- Frisur sitzt auch noch nach 20h Flug
- Kurz mal in der kleinen Toilette verschwunden und ZACK man denkt sie hat sich nochmal kurz Botox gespritzt so glatt, straff und frisch ist ihre Haut wieder

The Tourist
- Rucksack statt Aktentasche oder Trolley als Handgepäck
- Trekkingsandalen oder Wanderschuhe
- Nervigste Angewohnheit: der Reiseführer wird meist gegen Nacht nocheinmal durchgeblättert und das Licht bleibt daher lange an
- Schläft wenig, liest und isst viel
- Ist des öfteren über 50

Ich war der Schisser, wäre gern The Important Guy und werde irgendwann die Mutti sein.



Sumo-Techniken:
浴せ倒し- "Aus einem Griff heraus wirft der Angreifer sein Gewicht auf den Gegner und zwingt ihn dadurch rücklings auf den Boden"
und viele mehr...

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Techniken_im_Sum%C5%8D