Freitag, 23. August 2013

Kaffeeklatsch auf Deutsch


gefunden unter: http://bit.ly/18beWxC

In einer kleinen lutheranischen Kirche (und davon gibt es in Chile wirklich nicht viele) findet einmal im Monat gegen 16.00Uhr ein Hauskreis statt - bei dem die chilenische Sprache so fern scheint, wie ein Vegetarier von einem Stück Fleisch.



Wie ich dort hinkomme? 



Ich muss gestehen, ich bin katholisch getauft worden. Leider. Obwohl mein Vater Atheist war und meine Mutter würde ich eher in die Buddhistische Ecke einordnen als sie katholisch zu bezeichnen. 
Aber ein anderes Mal mehr über meine Eltern.

 Ich würde behaupten, dass ich keiner Religion angehöre. Man nennt es auch Atheismus. 
In Baden-Württemberg kostet es circa 30Euro aus der Kirche zu treten (In Bayern ist es - wer hätte es gedacht - teurer). Dieser Punkt befindet sich derzeit noch auf meiner "TO-DO-LISTE".



Wie gelange ich also in dieses religiöses Gebäude? 



Bei dem Institut bei dem ich arbeite, komme ich mit einer Praktikantin ins Gespräch. Sie schreibt eine Hausarbeit über das Thema "Deutsche Sprache in Concepción" und hofft in dieser Kirche auf Antworten. Ich begleite sie.



"Guck mal, Emma"...höre ich es aus der einen Ecke rufen und die Dame, neben die ich mich gesetzt habe, tauscht ein paar deutsche Sätze mit ihrer Sitznachbarin aus.


Circa 20 bis 30 Rentner sitzen an Tischen, die mit Kuchen und Kaffe gedeckt sind...und sprechen DEUTSCH. Aber was ich da höre, ist keineswegs ein gebrochenes Deutsch. Zwischen 60 und 90 Jahren sind die Ladys und sprechen ein akzentfreies Deutsch und Spanisch. Als ob die Herrschaften nie das Land verlassen hätten. Ich fühle mich HEIMISCH. 



Habe ich es hier mit Deutschen, Deutsch-Chilenen oder einfach nur extremen Deutschlandfans zu tun?



Die Mehrzahl der Anwesenden sind Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts mit ihren Eltern nach Chile ausgewandert. Also richtige Deutsche.
 Motivationsgründe waren zum einen die Suche nach Arbeit und zum anderen die Suche nach einem neutraleren Boden nach dem Krieg. 
Hauptgrund war jedoch die Arbeit und nicht die politische Orientierung.



"Die deutsche Sprache und Kultur muss erhalten bleiben"...darüber sind sich alle einig. 
Leider wird in der dritten Generation, der hier Anwesenden, schon sehr wenig Deutsch in den Familien gesprochen, was den Erhalt der Sprache massiv erschwert.

In Concepción gibt es auch eine deutsche Schule, doch in dieser verläuft der Unterricht schon länger nicht mehr NUR auf Deutsch.



Wir haben jedoch nicht nur Deutsche mit Emigrationshintergrund in der Runde, sondern auch Deutsch-Chilenen. 
Deutsch-Chilenen sind die Besten (ironischer Unterton). 

Ich spreche hier von Personen, die unglaublich stolz auf Deutschland sind und alles was damit zusammenhängt: Sprache (Deutsch), Aussehen (blondes Haar), Kultur (Literatur und Kunst) etc...
Es handelt sich hierbei MEISTENS um Personen die noch nie einen Fuß auf den deutschen Boden gesetzt haben, geschweige denn Verwandte dort habe. Diese Fazintation ist unerklärlich. 

Manche haben nur ENTFERNTE Verwandte dort und fühle sich sehr zu Deutschland hingezogen. 



Deutsche zu sein oder Deutsch zu sprechen hat hier in Chile Prestige.



Jeden Monat trifft man sich also und genießt den Apfelkuchen und unterhält sich auf Deutsch. 
Aber bei Essen und Reden bleibt es nicht...
Jedes Mal wird ein bestimmtes Thema diskutiert oder präsentiert.



Dieses Mal kamen zwei junge Mädchen aus der deutsche Schule, um den älteren Herrschaften zu erklären wie man richtig mit einem Handy umgeht. 
Amüsant wie man hier der Technik folgt. Die meisten hatten ein moderneres Handy als ich...und das mit NEUNZIG JAHREN?!

Ich möchte nach einem Stück Kuchen greifen, doch was ich in den Händen halte ist kein süßes Teilchen, sondern eine Art Brot mit Aufstrich.
Ich schaue die Dame rechts neben mir an und sage: hier gibt's also nicht nur süßes?
Sie beugt sich zu mir und antwortet zwinkernd: Wir sind süß...das muss reichen!

Ein Lächeln kann ich nicht zurückhalten. Muss ich auch nicht. 
Diese Kombination von blauen Augen und chilenischem Charme...Herrlich!



Gegen Ende trägt ein Herr noch ein Gedicht vor, das die ganze Mädelsrunde zum Lachen bringt:




Es wäre ja zum Lachen,
wenn nicht wir alten Drachen
 auch von so neuen Sachen 
uns ließen was vormachen
 wie Handies, Celulare,
Smartphones und sonstige Ware.

Da braucht man manche klare
 Anweisung fürs bare
               
Verständnis dieser Dinger,
und wo wir unsern Finger 
als Botschaftsüberbringer
 hintun – manchmal sogar ging er!

Besser gehts beim Suchen 
nach leckren Apfelkuchen,
und Kaffeklätschen buchen 
mit Schals und hübschen Tuchen!

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